Was ein Abendessen vor 30 Jahren damit zu tun hat, dass du heute dein Team zum Wahnsinn treibst

Kritischer Blick von Leaderin

Inhaltsverzeichnis

Oder warum dein Anspruch auf Perfektion nichts mit deinem Team – aber alles mit dir zu tun hat.


Warum Führung manchmal nicht funktioniert – obwohl du alles richtig machst

Du führst. Mit Erfahrung, Verantwortung und einem hohen Anspruch. Du willst Qualität, Klarheit, Wirkung. Und trotzdem erlebst du Momente, in denen dein Team nicht so reagiert, wie du es erwartest. Sie ziehen sich zurück. Werden unsicher. Oder einfach stur. Und du fragst dich: Was stimmt hier nicht?

Oft suchst du die Antwort im Aussen. In Prozessen. In Rollen. In Skills. Aber was, wenn der Ursprung ganz woanders liegt? Nicht bei deinem Team. Sondern in dir. In einem Satz, der vor Jahrzehnten gefallen ist. In einem Moment, den du längst vergessen hast – und trotzdem täglich wiederholst.


Die Prägung, die wirkt – obwohl du sie längst hinter dir lassen wolltest

Du bist sieben. Vielleicht acht. Es war Sporttag in der Schule. Du hast alles gegeben. Gerannt, geschwitzt, durchgezogen. Am Ende wirst du Dritter. Und du bist stolz. Endlich etwas, das du deinem Vater erzählen kannst. Etwas, worauf er reagieren kann. Du trittst in die Küche, dein Herz klopft. Er sitzt am Tisch, liest die Zeitung, das Messer in der Hand. Du erzählst es. Mit leuchtenden Augen. „Ich bin Dritter geworden!“ Und dann kommt der Satz:

„Warum nicht Erster?“

Es ist kein Vorwurf. Kein Schrei. Nur ein Satz. Aber dein System speichert ihn ab: Fast reicht nicht. Es muss mehr sein. Und du entwickelst eine Strategie. Du wirst besser. Perfekter. Fehlerfreier. Du hörst auf, stolz zu sein, wenn etwas fast gelingt. Du willst liefern. Immer. Nur dann fühlst du dich sicher.


Wie emotionale Muster dein Teamverhalten heute prägen

Heute stehst du nicht mehr als Kind in der Küche. Sondern als Führungskraft im Meetingraum. Und dein Team ist nicht dein Vater. Und doch läuft das alte Programm. Nur auf einer neuen Bühne. Du gibst Feedback – aber nie ohne Verbesserungsvorschlag. Du möchtest fördern – und wirkst fordernd. Du willst Qualität – und erzeugst Druck. Nicht, weil du zu viel verlangst. Sondern, weil du in Wahrheit versuchst, ein Gefühl zu vermeiden: dass etwas nicht genug ist.

Und während du denkst, du gibst alles, spürt dein Team: Es reicht nie.

Und so, wie du dich damals gefühlt hast, fühlen sie sich jetzt.

Nur dass du diesmal die Rolle übernommen hast, vor der du dich früher schützen wolltest.


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Was in dir abläuft – und warum dein Nervensystem mitführt

Das, was da in dir wirkt, ist nicht logisch. Es ist nicht mal bewusst. Es ist körperlich gespeichert. Ein Reflex. Eine emotionale Schutzstrategie. Nicht weil du „zu wenig reflektiert“ bist. Sondern weil dein Nervensystem gelernt hat: Nur wenn ich perfekt bin, bin ich sicher.

Du kannst es nicht einfach wegmachen. Nicht durch ein Buch. Nicht durch eine Methode. Denn dein System entscheidet schneller, als dein Verstand denken kann. Es ist wie ein Autopilot, der losfährt, noch bevor du den Schlüssel berührt hast.


Symptome dafür, dass dein inneres Kind heute (noch) mitführt

Wenn du solche Muster in dir trägst, zeigt sich das oft subtil – aber konsequent:

  • Du willst alles selbst in der Hand behalten – auch wenn du weisst, es wäre besser zu delegieren.
  • Du gibst positives Feedback – aber es klingt nie ganz überzeugt.
  • Du wirst innerlich nervös, wenn jemand im Team eine eigene Lösung präsentiert – weil du spürst, sie ist nicht „genau richtig“.
  • Du arbeitest länger als nötig – weil du dich sonst nicht sicher fühlst.
  • Du fühlst dich unter Druck, auch wenn objektiv keiner da ist.

Diese Symptome sind keine Schwächen – sie haben dir vor langer Zeit geholfen, im System faktisch zu «überleben». Als Kind. Sie sind Spuren einer Geschichte, die in deinem System gespeichert ist. Und solange du sie nicht erkennst, wirst du sie wiederholen.


Warum du dein Führungsverhalten nicht „wegmachen“ solltest

Es geht nicht darum, deine Vergangenheit loszuwerden. Oder dich zu „optimieren“. Du bist kein Reparaturfall. Das, was du erlebt hast, war real. Und dein System hat genau richtig reagiert, es hat dich geschützt und stärker gemacht.

Nur: Heute bist du nicht mehr sieben. Und du musst nicht mehr beweisen, dass du genug bist. Du darfst anders reagieren. Aber dafür musst du hinschauen. Und das, was war, anerkennen.

Die alten Muster verdienen keinen Krieg. Sie verdienen Würdigung – und eine neue Position in deinem Leben. Nicht mehr als Steuerzentrale, sondern als Erinnerung daran, wie weit du gekommen bist.


Was echte Führung heute zeigt: Innehalten statt reagieren

Führung beginnt nicht mit Tun, sondern mit Halten. Nicht mit Reaktion, sondern mit Bewusstsein. Und das ist Arbeit. Nicht in Form von Disziplin, sondern von innerer Wachheit.

Der Moment, in dem du innehältst und spürst:

„Ich würde jetzt am liebsten alles selbst machen – aber ich entscheide mich, Vertrauen zu schenken.“

Das ist Führung.

Oder:

„Ich merke, wie ich ungeduldig werde – und atme zuerst, bevor ich reagiere.“

Auch das ist Führung.

Nicht, weil du perfekt bist. Sondern, weil du präsent bist.

Das ist der Unterschied.


Was kannst du konkret tun, um emotionale Muster zu transformieren?

Du musst nicht sofort alles ändern. Deine bisherigen Muster hatten einen Sinn – sie haben dich über Jahre geprägt und getragen. Sie sind wie gut ausgebaute Autobahnen in deinem neuronalen Netz: schnell, vertraut, eingespurt.

Aber du kannst beginnen, dich selbst zu beobachten – nicht bewertend, sondern neugierig. Und du kannst neue Wege anlegen. Kleine Trampelpfade im Gehirn, die mit jeder bewussten Entscheidung breiter werden. Jedes Mal, wenn du innehaltest statt automatisch zu reagieren, wächst dieser neue Weg. Und irgendwann – wird aus dem Trampelpfad eine neue Autobahn.

Dabei beobachte dich im Alltag:

  • Wann spürst du körperlich Anspannung – in der Brust, im Nacken, im Magen?
  • Wann merkst du, dass deine Reaktion übertrieben ist?
  • Welche Situationen bringen dich emotional aus dem Gleichgewicht?
  • Wo denkst du: „Das ist nicht schlimm“ – aber dein Körper widerspricht?

Diese Momente sind Einladungen. Und dann beginnst du, kleine Unterschiede einzuführen.


Hypnosystemische Intervention für Führungskräfte: Stimme verändern – Verhalten neu gestalten

Stell dir vor, die innere Stimme, die dich antreibt – die sagt „Du musst besser sein“, „Das reicht nicht“, „Du darfst das nicht falsch machen“ – hätte eine Form:

  • Wo spricht sie in deinem Körper?
  • Wie klingt sie? Hoch, tief, laut, hart, leise?
  • Hat sie eine Farbe, ein Gesicht, eine Bewegung?

Und dann verändere etwas:

  • Stell dir vor, die Stimme wird leiser.
  • Oder sie spricht von weiter weg.
  • Vielleicht mit einem warmen Tonfall.
  • Vielleicht nicht als Befehl, sondern als liebevolle Erinnerung.
  • Vielleicht sagt sie: „Du bist genug. Jetzt schon.“

Und spüre nach: Was macht das mit dir?

Diese Interventionen sind klein – aber wirksam.

Weil sie Unterschiede schaffen. Und das ist das, was dein System braucht: neue Erfahrungen, neue neuronale Verbindungen, neue Entscheidungen.

Sehr gerne unterstütze ich dich dabei deine Stimmen so zu verändern, dass sie dir in Zukunft eine Kraft sind.


Führung beginnt dort, wo deine Geschichte endet – aber nicht vergessen wird

Du wirst nie ein völlig „leeres Blatt“ sein. Aber du musst auch kein Gefangener deiner alten Erlebnisse bleiben. Was zählt, ist deine Bereitschaft, deine Geschichte zu erkennen – und ihr einen neuen Platz zu geben. Nicht als Schatten, sondern als Fundament.

Du bist nicht dein Muster. Aber du bist verantwortlich dafür, was du daraus machst.

Führung ist nicht, andere zu formen. Führung ist, sich selbst zu halten – und darin anderen Raum zu geben.

Das beginnt genau dort: Am Abendbrottisch. Mit einem Satz, den du heute nicht mehr brauchst.

Jetzt kannst du neu antworten.


Falls dir das gefallen hat oder auch nicht, dann freue ich mich über Feedback.


Quellen und interessante Literatur

Gross, Martina / Popper Vera (2020) Und die Maus hört ein Rauschen.

Hullmann, Ina: Bücher wie «Hynosystemisch wirksam», Hynosystemische Top-10-Tools»

Hüther, Gerald: Bücher, wie «Die Macht der inneren Bilder» oder «Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn».

IMD (2025) Resilient Leadership: How to become a better leader through resilience.

Roth, Gerhard und Ryba, Alica (2022) Coaching, Beratung und Gehirn

Schmidt, Gunther: Bücher, wie «Der Realitätenkellner» | Liebesaffären zwischen Problem und Lösung | Einführung in die hypnosystemische Therapie und Beratung

SequenceWiz (2023) Our inner system of managers, firefighters, and exiles and the dynamics of their relationships.

Yamei Liu et al. (2025) Unraveling the effects of leader perfectionism on team dynamics: an emotion-motivation perspective

Bilder made by KI (Canva).

Frau hält eine Rede mit klarem Blick in die Kamera und offenen Händen.

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Ich bin Pascale Schaerer – Gründerin von PureSpark und bso-zertifizierte Coach & Organisationsberaterin.

Ich verbinde drei Welten:

  • Langjährige Führungserfahrung auf Stufe Geschäftsleitung & wirtschaftliches Denken
  • psychologisches Verständnis
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