„Wie überlebe ich die ersten 100 Tage als Chef oder Chefin?“ – „Erste 100 Tage als Führungskraft überfordert“ – „Aktionismus statt Strategie in neuer Führungsrolle.“
Wenn du das gerade googelst, bist du nicht allein. Fast jede neue Führungskraft erlebt diesen Spagat: Alle schauen auf dich, aber du selbst fühlst dich noch nicht angekommen. Statt Strategie herrscht Aktionismus, statt Klarheit Überforderung. Und genau in diesen ersten Wochen entscheidet sich, ob du als souverän wahrgenommen wirst – oder als jemand, der nur funktioniert.
Die gute Nachricht: Überleben reicht nicht. Die ersten 100 Tage sind deine Chance, Wirkung und Vertrauen aufzubauen – wenn du einen inneren Kompass hast. Denn nicht das Tempo entscheidet über deinen Erfolg, sondern die Klarheit über deine Werte, Motive und Erwartungen. In diesem Artikel erfährst du 5 konkrete Schritte, wie du raus aus dem Hamsterrad kommst – und deine Rolle von Beginn an mit Substanz füllst.
Falls du das nicht lesen magst, mit mir aber gerne ins Gespräch kommst:
Warum die ersten 100 Tage so entscheidend sind
Die ersten 100 Tage in einer neuen Führungsrolle sind mehr als ein symbolischer Zeitraum. Sie sind ein Prüfstein. Ab Tag 1 stehst du im Rampenlicht: Dein Team, deine Vorgesetzten, deine Stakeholder – alle schauen auf dich. Jeder Schritt, jede Entscheidung, jede Geste wird gelesen wie ein Signal: „So wird sie führen.“
Studien zeigen, dass 42 % der neuen Führungskräfte in den ersten 18 Monaten scheitern (Brandt, Check & Pedraza (2006). The New Leader’s 100-Day-Action Plan)– oft schon in den ersten 100 Tagen. Und das nicht, weil ihnen Fachwissen fehlt, sondern weil sie ohne klare Linie starten: zu wenig Orientierung, zu viele unausgesprochene Erwartungen.
👉 Mini-Schritt: Stelle dir die Frage: Was will ich bewusst mitnehmen aus meiner alten Rolle – und was lasse ich zurück? Dieser Rückblick schützt dich davor, alte Muster blind fortzuschleppen, die in deiner neuen Rolle nicht mehr tragen.
Überforderung – das typische Muster in den ersten Wochen
„Erste 100 Tage Führungskraft überfordert“ – eine der meistgesuchten Fragen bei Google. Kein Wunder: Die ersten Wochen fühlen sich für viele an wie ein Blindflug. Unklare Erwartungen, endlose Meetings, widersprüchliche Signale – und mittendrin du, der liefern soll, ohne zu wissen, wonach eigentlich gemessen wird.
Eine Umfrage zeigt: 40 % der neuen Führungskräfte fühlen sich in den ersten 100 Tagen überfordert, 25 % sogar niedergeschlagen oder deprimiert. Das liegt selten am Arbeitsvolumen – sondern daran, dass Erwartungen unsichtbar bleiben. Schon Harvard Business Review betont: Es ist nicht die Zeit, die uns erschöpft – sondern der Verlust an Energie (Schwartz & Loehr, (2007) Manage Your Energy, Not Your Time).
👉 Mini-Schritt: Frag dich: Welche unausgesprochenen Erwartungen wirken auf mich? Sammle Hypothesen, sprich sie an, kläre sie so früh wie möglich. Klarheit über Erwartungen ist der erste Hebel gegen Überforderung.
Die Falle des Aktionismus
Wenn Überforderung zunimmt, greifen viele zur „Notlösung“: Sie rennen los. Mehr Termine, mehr E-Mails, mehr Aktion. Auf den ersten Blick wirkt das fleissig – aber das Umfeld merkt schnell: Hier fehlt eine Linie. Statt Strategie herrscht Hektik.
Genau deshalb googeln so viele: „Aktionismus statt Strategie in neuer Führungsrolle.“ Und sie haben recht: Studien zeigen, dass Führungskräfte, die ohne klare Prioritäten starten, in den ersten 90 Tagen massiv an Vertrauen verlieren – selbst wenn sie unermüdlich arbeiten (McKinsey 2017).
👉 Mini-Schritt: Baue dir Routinen, die dich stabilisieren: feste Reflexionszeiten, kurze Sparringsgespräche, klare Prioritäten-Listen. Routinen sind dein Anker gegen den Sog des Aktionismus.
5 Schritte, wie du Klarheit statt Hektik gewinnst
Die gute Nachricht: Überforderung und Aktionismus sind keine Schicksale. Sie sind Signale – Hinweise darauf, dass dir ein innerer Kompass fehlt. Mit den folgenden fünf Schritten kannst du dir Klarheit verschaffen und die ersten 100 Tage bewusst gestalten.
1️⃣ Rückblick & Loslassen
Viele neue Führungskräfte stürzen sich sofort ins Neue – und schleppen unbewusst alte Muster mit. Dabei zeigen Studien (Gabarro (2007) When a New Manager Takes Charge), dass erfolgreiche Transition-Leader bewusst reflektieren, was sie aus der Vergangenheit übernehmen und was sie hinter sich lassen.
👉 Frage dich: Welche Muster, Haltungen und Gewohnheiten will ich bewusst mitnehmen – und welche lasse ich zurück?
2️⃣ Erwartungen sichtbar machen
Nichts überfordert mehr als unausgesprochene Erwartungen. McKinsey hat gezeigt, dass Führungskräfte, die Erwartungen nicht frühzeitig klären, in den ersten 90 Tagen massiv an Vertrauen verlieren.
👉 Tipp: Sammle Hypothesen über die Erwartungen deiner Stakeholder – und sprich sie direkt an. Auch wenn du noch nicht im Unternehmen bist. Schon einfache Gespräche schaffen Orientierung.
3️⃣ Werte-Check
Wenn Druck kommt (und er kommt), brauchst du Prinzipien, die dich tragen. Bill George beschreibt in seiner HBR-Studie „Discovering Your Authentic Leadership“ (2007), dass Klarheit über eigene Werte die wichtigste Quelle für Glaubwürdigkeit ist.
👉 Leitfrage: Welche 3–5 Werte verrate ich auch im Sturm nicht? Formuliere je einen konkreten Satz: „So handle ich, wenn dieser Wert auf dem Spiel steht.“
4️⃣ Auftreten gestalten
Führung ist nicht nur, was du tust – sondern wie du sichtbar wirst. Amy Edmondson zeigt in „Die angstfreie Organisation“ (2020), dass psychologische Sicherheit im Team entscheidend davon abhängt, ob Führungskräfte berechenbar und konsistent auftreten.
👉 Frag dich: Wie will ich in den ersten 100 Tagen sichtbar sein – auch unter Druck? Dein Auftreten prägt Vertrauen stärker als jede inhaltliche Entscheidung.
5️⃣ Routinen verankern
Ohne Anker zieht dich der Strudel des Alltags schnell in Richtung Aktionismus. Studien zur Selbstführung zeigen, dass kleine, bewusst gesetzte Routinen (z. B. wöchentliche Reflexion, Energiemanagement) entscheidend sind für Stabilität. Schwartz & Loehr (2007) betonen: Es ist nicht Zeitmanagement, sondern Energiemanagement, das langfristig trägt.
👉 Starte mit 2–3 einfachen Routinen: feste Reflexionszeiten, ein wöchentlicher Sparring-Dialog, bewusst geplante Pausen.
👉 Diese fünf Schritte sind keine „Checkliste für Perfektionismus“. Sie sind dein innerer Kompass in einer Phase, in der aussen alles unsicher ist. Klarheit über Erwartungen, Werte, Motive und Routinen ist der Unterschied zwischen überleben und wirksam führen.
Praxis-Checkliste für deine ersten 100 Tage
Die ersten 100 Tage beginnen nicht erst an deinem ersten Arbeitstag – sie starten in dem Moment, in dem du die neue Rolle annimmst. Denn schon während du noch im alten Job bist, werden Weichen gestellt: Übergabe, Loslassen, innerer Fokus. Mit dieser Checkliste hast du eine klare Orientierung – von „vor Tag 1“ bis Tag 90. Dazu empfehle ich das Buch von Watkins «Die entscheidenden 90 Tage» – selbst wenn es für Roosevelt und mich mindestens 100 Tage sind.
Vor dem ersten Tag – Übergang bewusst gestalten
- Übergabe klären: Organisiere deine Projekte so, dass dein altes Team gut weiterarbeiten kann.
- Loslassen: Markiere den Abschied bewusst – feiere Erfolge, würdige dein Team.
- Inneren Schalter umlegen: Wer will ich in der neuen Rolle sein? Plane erste Routinen und Reflexionszeiten, bevor der Kalender dich überrollt.
👉 Tipp: Nutze diese Phase, um schon einmal durch die 5 Schritte zu gehen (Rückblick, Erwartungen, Werte-Check, Auftreten, Routinen). So startest du am ersten Tag nicht ins Unbekannte, sondern mit innerer Klarheit. Studien zeigen: Wer sich vorbereitet, erreicht den „Break-even“ bis zu 40 % schneller.
Woche 1–2: Zuhören, verstehen, Beziehungen aufbauen
- System kennenlernen: Wo läuft es rund, wo nicht? Frag nach Erfolgen und Schmerzpunkten.
- Beziehungen bauen: Plane nicht nur Meetings, sondern auch Kaffee, Lunches, kurze 1:1-Gespräche. Vertrauen entsteht in Zwischentönen.
- Balance halten: Zeige dich menschlich und auch verletzlich, aber setze klare Richtungssignale.
👉 Tipp: Fokus auf Zuhören statt hektischem Aktionismus. Lese hier nach, was eine Führungskraft von einem Coach übernehmen kann.
Tag 30: Erste Klarheit schaffen
- Stakeholder-Analyse: Wer erwartet was? Welche Verbündeten brauchst du? (Watkins nennt das „horizontale Netzwerke stärken“).
- Führungslandkarte skizzieren: Formuliere deine ersten 3–5 Prinzipien.
- Frühe Erfolge: Setze kleine, sichtbare Zeichen (z. B. Meetingstruktur verbessern, Feedback einführen) – aber erst nachdem du die Organisation angehört hast, dem Team und dem Bereich Raum gegeben hast. So schaffst du dir Vertrauen, dass sie gehört werden.
👉 Tipp: Kleine Erfolge, nicht der grosse Befreiungsschlag – der alle vor den Kopf stösst.
Tag 60: Routinen verankern, Energie managen
- Regelmässige Reflexion: Blockiere Zeit für dich (Watkins: „Lernen Sie effektiv“).
- Energiehaushalt statt nur Zeit: Achte auf deine Motive (Leistung, Einfluss, Zugehörigkeit).
- Feedback einholen: Hol bewusst Resonanz – sonst baust du in die falsche Richtung.
👉 Tipp: Nicht mehr tun, sondern das Richtige verankern. Do the right things right.
Tag 90: Kultur prägen & sichtbar führen
- Deine Präsenz: Wie willst du wahrgenommen werden? Watkins spricht hier von „Führungspräsenz“.
- Kulturarbeit: Teile deine Prinzipien mit dem Team und lade zur Beobachtung ein.
- Balance von Anpassung & Veränderung: Kulturen funktionieren wie Immunsysteme – gehe sensibel vor, sonst wirst du abgestossen (Watkins: „Onboarding ist wie eine Organtransplantation“).
👉 Tipp: Strategie heisst, Werte sichtbar in Verhalten übersetzen – Walk-the-talk. Dies schafft Glaubwürdigkeit und Vertrauen.
Merksatz für deine ersten 100 Tage
Je mehr Zeit du am Anfang in Zuhören, System verstehen und Beziehungen aufbauen investierst, desto klarer und souveräner wirst du wahrgenommen. Nicht Tempo bringt den Erfolg, sondern Substanz. Und Handlungen haben dann auch ein Fundament.
Dein innerer Kompass – Werte & Motive als Erfolgsfaktor
Die Wahrheit ist: Was in den ersten 100 Tagen sichtbar wird – Überforderung, Aktionismus, Orientierungslosigkeit – sind nur Symptome. Die eigentliche Ursache liegt tiefer. Viele Führungskräfte starten ohne inneren Kompass. Sie wissen nicht, was ihnen wirklich wichtig ist, welche Motive sie antreiben, und welche Prinzipien sie unter Druck halten.
Bill George beschreibt in seiner Studie Discovering Your Authentic Leadership (Harvard Business Review, 2007), dass glaubwürdige Führung immer dort beginnt, wo Werte, Biografie und Verhalten übereinstimmen. Ohne diese Klarheit wirken Führungskräfte getrieben – mit ihr wirken sie souverän, selbst in unsicheren Situationen.
👉 Werte = dein Kompass. Stell dir vor, du gehst auf eine Wanderung ohne Karte und Kompass: Jeder Weg könnte richtig sein, aber du weisst nicht, ob er dich ans Ziel bringt. Genau so fühlt es sich in einer neuen Führungsrolle ohne geklärte Werte an.
👉 Motive = deine Energiequelle. Wer gegen seine Motive arbeitet, rudert wie in einem Anzug: viel Anstrengung, wenig Vorankommen. Der PSI-Test von Prof. Dr. Julius Kuhl ist ein einzigartiges Diagnostiktool, das sichtbar macht, was Menschen wirklich antreibt und ihnen Energie gibt – durch die Kombination bewusster und unbewusster Motive sowie ihrer Umsetzung in Handeln.
Auch für dein Team spielt dein Kompass eine zentrale Rolle. Amy Edmondson betont in Die angstfreie Organisation (2020), dass psychologische Sicherheit – also Vertrauen und Lernkultur – dann entsteht, wenn Führungskräfte konsistent nach Prinzipien handeln. Nicht die perfekten Worte bauen Vertrauen, sondern berechenbares Verhalten.
👉 Genau hier setzt deine Führungslandkarte an. Sie macht sichtbar, welche Werte, Motive und Prinzipien dich leiten – und sie gibt dir eine klare Linie, die dein Team wahrnimmt. So wirst du vom Getriebenen zum Gestalter.
Merksatz zum inneren Kompass
Klarheit im Inneren ist die Basis für Wirkung im Äusseren. Wer seine Werte und Motive kennt, braucht keinen Aktionismus – sondern wirkt von Beginn an strategisch und verlässlich.
Fazit
Die ersten 100 Tage sind kein Sprint, den du mit Aktionismus überstehst – sondern ein Übergang, in dem du deine Wirkung sichtbar machst. Überforderung, Orientierungslosigkeit und das Gefühl, nur zu reagieren, sind keine Schwäche. Sie sind Signale: Dir fehlt ein innerer Kompass. Aber das ist lösbar und ich kenne den Weg.
Genau hier setzt meine Arbeit an:
- Mit der PSI-Motiv-Analyse erkennst du, welche inneren Antreiber dir Energie geben – und wo du Gefahr läufst, dich zu erschöpfen.
- Mit dem LPP (LINC Personality Profiler), Persönlichkeitsanalyse nach den Big Five, bekommst du ein klares Bild deiner Charaktereigenschaften, Stärken und Entwicklungsfelder.
- Mit der Führungslandkarte verknüpfen wir Werte, Motive und Erwartungen – und geben dir eine Linie, die dein Umfeld sofort spürt.
- Über ylah® verbindest du das Coaching direkt mit deinem Alltag: Reflexion, Routinen, Micro-Impulse – so bleibt Klarheit nicht Theorie, sondern wird gelebte Praxis.
👉 Wenn du deine ersten 100 Tage nicht dem Zufall überlassen willst, sondern bewusst gestalten möchtest, dann melde dich bei mir zu einem unverbindlichen Gespräch.


