„Keine Zeit zu führen“ – Warum dein voller Kalender mehr über dich sagt, als du denkst

Ein Turm mit einer Uhr in einer Stadt. Zytglogge in Bern.

Inhaltsverzeichnis

Oder: Warum dein Zeitproblem kein Zeitproblem ist – sondern ein Identitätskonflikt.

🧭 Der Traum: Wirksam führen. Strategisch denken. Menschen bewegen.

Wenn du an Führung denkst, denkst du an Überblick. An Strategie. An Entwicklung.
Du willst Räume öffnen, nicht nur To-Dos verwalten.
Du willst Menschen fördern, nicht Prozesse optimieren.
Du willst Sinn, nicht bloss Struktur.
Und du willst Präsenz – ganz da sein – nicht nur reagieren.

Kurz: Du willst führen. Und zwar echt.

Das ist die Vision vieler Führungskräfte – besonders in Phasen von beruflicher Transformation oder Rollenwechseln.
Doch die Realität sieht oft anders aus.


🚧 Die Realität: Dein Tag ist voll. Dein Kopf ist leer.

Stattdessen sitzt du morgens im ersten Call, bevor du überhaupt Kaffee hattest.
Springst von Meeting zu Meeting. Entscheidungen im 5-Minuten-Takt.
Mails, dich mit KI rumgeschlagen, Projektplanung, ein „kurzes“ Gespräch dazwischen – du bist permanent verfügbar.

Und am Ende des Tages fragst du dich:
Was habe ich eigentlich heute gemacht?

Du warst ununterbrochen produktiv. Und trotzdem fühlt es sich nicht an wie Führung.
Nicht mal wie Arbeit – eher wie Überleben.

Und wenn du ehrlich bist: Du bist erschöpft. Leer.
Und fragst dich manchmal im Stillen:
Bin ich hier eigentlich noch richtig?

Evidenz: Aktuelle Daten aus Deutschland (Dez 2023, n=1’000): 61,6 % der Führungskräfte berichten Erschöpfung; Frauen (≈ 65 %) und 30–39-Jährige (72 %) sind besonders betroffen. Auctority
Globaler Kontext: HBR berichtet > 50 % der Manager fühlen sich ausgebrannt. Harvard Business Review


🧨 Provokante Frage: Wer hat dir eigentlich beigebracht, dass das „Führung“ ist?

Wann hast du gelernt, dass du nur wertvoll bist, wenn du dauerverfügbar bist?
Wer hat dir beigebracht, dass du dich für deine Rolle aufopfern musst?

Woher kommt dieses „Ich darf keine Lücke lassen“,
„Ich muss für alles zuständig sein“,
„Ich muss leisten, damit ich gesehen werde“?

Wer profitiert von dieser Haltung – ausser deinem inneren Antreiber?

Evidenz: Systematische Reviews zu Manager-Burnout zeigen: neben objektiver Last wirken interne Standards, perfektionistische Schemata und Selbstwertkopplung als Treiber – ein psychologischer Teufelskreis. SAGE Journals


🧠 Dein System tut genau das, wofür es gebaut wurde: Es schützt dich.

Dein voller Kalender ist kein Zufall. Er ist ein Schutzmechanismus.

Nicht weil du schlecht organisiert bist.
Sondern weil du irgendwann gelernt hast:
Wenn ich nicht sichtbar leiste, bin ich entbehrlich.

Vielleicht hat dir niemand beigebracht, wie es sich anfühlt, einfach zu sein, ohne leisten zu müssen.
Vielleicht wurdest du nicht für dein Wesen geliebt, sondern für dein Ergebnis.
Vielleicht war es sicherer, stark zu sein, als ehrlich zu zeigen, wie es dir geht.
Und vielleicht hast du deshalb nie gelernt, dich selbst zu halten – sondern dich nur zu managen.

Evidenz: Forschung zu Arbeits-/Leistungsidentität und Enmeshment: Wer Selbstwert an Leistung koppelt, ist bei Störungen (Burnout, Rollenwechsel) besonders krisenanfällig. Harvard Business Review
Perfektionismus als Prädiktor in Führung: Führungs-Perfektionismus zeigt ambivalente Effekte und steht u. a. mit kontrollierender Führung (Management by Exception) in Zusammenhang; Transformationales Verhalten korreliert nicht linear positiv mit selbstorientiertem Perfektionismus. Frontiers


🌀 Deshalb füllst du deinen Kalender. Weil Leere sich anfühlt wie Bedeutungslosigkeit.

Führungskräfte im Stress sagen oft:
„Ich habe keine Zeit.“

Die Frage ist: Wovor schützt dich diese Ausrede?

– Vor dem Moment, wo du merken würdest, dass du nicht mehr weisst, wer du ohne Leistung bist?
– Vor dem Gefühl, dass du niemanden hast, der dich führt, obwohl du alle führst?
– Vor dem inneren Abgrund: „Was, wenn das alles ist – und ich trotzdem leer bleibe?“

Dein Zeitproblem ist kein Zeitproblem.
Es ist eine Überlebensstrategie, die zu lange funktioniert hat.
Ein Muster, das aus deiner Vergangenheit stammt – nicht aus deinem Outlook-Kalender.

Und deshalb: Warten auf den perfekten Moment um in eine gelassene und ruhige Führung zu kommen? Dann wartest du ewig – weil es den perfekten Moment dafür nicht gibt.

Evidenz: Zeitdruck wirkt nicht nur objektiv. Forschung zeigt Identitätskonflikte als verdeckte Treiber von Überbeschäftigung; Metareviews verknüpfen Burnout, Sinnverlust und Kompensationsverhalten. Roth & Ryba (2022) beschreiben genau diesen Mechanismus: Zeitnot ist oft Ausdruck eines verdrängten Identitätskonflikts. Die ständige Beschäftigung dient der Regulation unbewusster Unsicherheit.


💥 Wenn du so weitermachst, verlierst du dein Team – und dich selbst gleich mit.

Und das ist nicht metaphorisch gemeint.

Du bist müde. Dein Team merkt es.
Sie spüren deinen Druck, dein Tempo, deine Unerreichbarkeit.

Und das Tragische: Du gibst dein Bestes.
Du willst es doch genau richtig machen.

Aber die Energie, mit der du führst, kommt nicht aus Klarheit.
Sie kommt aus Kompensation.

Und das überträgt sich.
Führung beginnt nicht im Kalender. Führung beginnt im Kontakt mit dir selbst.

Evidenz: Zeitdruck verzerrt Entscheidungsqualität; Manager passen Strategien an (Filtration, Beschleunigung, Intuition), mit gemischt-günstigen Effekten – auf Dauer steigt Fehlsteuerungs- und Erschöpfungsrisiko. University of Leeds
Puffer: Transformational Leadership kann den negativen Zusammenhang zwischen Zeitdruck und Erschöpfung/Work-Life-Balance messbar abmildern. PubMed


🔍 Die Wahrheit, die kaum jemand ausspricht:

Du kannst nicht führen, wenn du dich selbst verlierst.

Führung ist kein Dauerlauf. Kein Selbstausbeutungsprogramm. Kein „Alles-für-andere-und-nichts-für-mich“.
Führung ist ein Beziehungsgeschehen – und du bist Teil davon.

Wenn du dich selbst ignorierst, wirst du andere nicht wirklich sehen.
Wenn du innerlich nicht klar bist, wirst du strategisch nicht führen können.
Wenn du nicht lernst, mit dir in Kontakt zu sein, wirst du dich in deinem Kalender verlieren – und irgendwann unauffindbar sein.

Evidenz: Burnout-Übersichtsarbeiten (IJERPH) untermauern die beziehungs- und identitätsbezogenen Dimensionen von Erschöpfung – nicht nur die „Stunden-Logik“. PMC


🔑 Die Lösung? Nicht Zeitmanagement. Sondern Identitätsarbeit.

Was du brauchst, ist nicht ein neues Tool.
Nicht bessere Prioritäten.
Nicht ein effizienteres Morgenritual.

Was du brauchst, ist ein anderes Selbstbild.

Du bist nicht dein Output.
Du bist nicht deine Rolle.
Du bist nicht deine Todo-Liste.

Du bist Mensch.
Mit Grenzen. Mit Sehnsüchten. Mit Stärken.
Mit dem Bedürfnis, geführt zu werden – auch von dir selbst.

Evidenz: Identitätsarbeit in Coaching-Settings: 2024er Frontiers-Schwerpunkt (Henley/Reading) zeigt, wie Coaching Explorations- und Transformationsräume für Leader-Identity schafft – zentral in Übergängen. PMC


🧭 Was du tun kannst (und wo es beginnt)

Stell dir diese eine Frage:
„Was bleibt von mir, wenn ich nichts mehr leiste?“

Wenn dich diese Frage triggert – bleib bei ihr.

Beobachte:

  • Wann du dich selbst übergehst.
  • Wann du „ja“ sagst, obwohl du „nein“ meinst.
  • Wann du schneller bist als nötig.
  • Wann du etwas tust, nur um dich wertvoll zu fühlen.

Erkenne dein Muster – nicht um es wegzumachen, sondern um es zu integrieren.
Dein innerer Antreiber hatte einen Sinn. Aber jetzt bist du erwachsen.
Jetzt darfst du neue Wege gehen. Jetzt darfst du dich selbst führen.

Evidenz: Führungs-Perfektionismus ist ein doppelschneidiges Schwert – anspruchssteigernd, aber erschöpfungsfördernd. Die Literatur empfiehlt Selbstmitgefühl, Delegation, psychologische Sicherheit als Gegengewichte. Frontiers


Stell dir vor, es ginge auch anders

Du hast Zeit.
Du bist präsent.
Du triffst Entscheidungen aus Klarheit, nicht aus Druck.
Du führst dein Team – nicht mit Tempo, sondern mit Tiefe.

Du hast wieder Lust auf deine Rolle.
Nicht, weil du funktionierst.
Sondern weil du dich zeigst.

Und das alles beginnt nicht mit einem Planer.
Sondern mit einem Moment, in dem du dir selbst wieder begegnest. Und hier unterstütze ich dich als externe Sparringpartnerin auf Augenhöhe. Denn ich weiss, wie schwierig es ist, das alleine zu meistern.

Evidenz: Studien zeigen: Geteilte Führung (Co-/Collective Leadership) kann Lasten verteilen – viele Führungskräfte sind offen dafür; Widerstände sitzen v. a. bei stark erschöpften Gruppen. Auctority


🚀 PS: Deine Superpower ist längst da. Sie ist nur verdeckt.

Du musst nichts Neues werden.
Du musst nichts optimieren.
Du musst nichts leisten.

Du darfst dich erinnern.
Wer du bist.
Was du kannst.
Und dass du es wert bist, dich selbst zu führen – bevor du andere führst.

Wenn du willst, begleite ich dich genau dabei.
Nicht mit Methoden.
Sondern mit echter Resonanz.


📚 Literatur (Auszug der wichtigsten Studien, auf die sich obige Aussagen stützen)

  • Erschöpfungslage Führung DE (2023/24): Auctority / Heise online
  • Global: Manager-Burnout > 50 %: Harvard Business Review, basierend auf Microsoft-Daten. Harvard Business Review
  • Zeitdruck & Manager-Entscheiden: Leeds Working Paper; Befund: gemischt – kurzfristige Effizienz vs. langfristige Risiken; Strategiewechsel (Filtration, Beschleunigung, Intuition). University of Leeds
  • Moderatoren: Transformational Leadership puffert die negativen Effekte von Zeitdruck auf Erschöpfung/WLB. PubMed
  • Perfektionismus in Führung: „Perfect Leader, Perfect Leadership?“ – Ambivalenzen, Zusammenhang mit kontrollierender Führung; Transformationales Verhalten nicht automatisch höher. Frontiers
  • Manager-Burnout – Systematische Reviews: Überblick zu Ursachen/Muster/Interventionen. SAGE Journals
  • Identitätsarbeit im Coaching (2024-Schwerpunkt): Coaching als Identitäts-Transformationsraum in Übergängen. PMC / Roth, Gerhard & Ryba, Alica (2022): Coaching, Beratung und Gehirn.

Frau hält eine Rede mit klarem Blick in die Kamera und offenen Händen.

Führungscoaching mit Substanz

Ich bin Pascale Schaerer – Gründerin von PureSpark und bso-zertifizierte Coach & Organisationsberaterin.

Ich verbinde drei Welten:

  • Langjährige Führungserfahrung auf Stufe Geschäftsleitung & wirtschaftliches Denken
  • psychologisches Verständnis
  • fundierte, wissenschaftsbasierte Ausbildungen

 

PURE ist Klarheit und Standfestigkeit inmitten von Erwartungen und Druck erlangen.
SPARK ist das, was daraus wächst: ein Leuchten, welches das Team, das Unternehmen und ganze Systeme positiv verändert.

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