Warum das, was dich stark gemacht hat, dich in der neuen Rolle überfordert – und wie du den Hebel drehst.
Nora war die Führungsperson, auf die man sich verlassen konnte.
Sie war schnell, klar, entscheidungsfreudig – das „beste Pferd im Stall“.
Wenn etwas wirklich laufen musste, war sie da.
Sie war bekannt für ihr Tempo, ihre Präzision, ihre Ruhe im Chaos.
Sie brachte Projekte ins Ziel, bevor andere wussten, dass es sie gibt.
Dann kam die Beförderung.
Neue Rolle. Mehr Verantwortung. Strategische Themen.
Und plötzlich: lief nichts mehr so wie früher.
Phase 1: Der Stolz – und das neue Chaos
Die ersten Wochen fühlten sich an wie ein Upgrade.
Endlich auf der Ebene, wo man gestalten kann.
Mehr Einfluss, mehr Sichtbarkeit, mehr Wirkung.
Nur – das Gefühl hielt nicht lange.
Was früher klar war, wurde unscharf.
Entscheidungen brauchten plötzlich Abstimmung.
Und alle wollten etwas, aber niemand sagte, was wirklich zählt.
Also tat Nora, was sie immer getan hatte:
Sie machte.
Sie füllte Lücken, übernahm Aufgaben, schrieb Protokolle, rettete Projekte.
Und merkte nicht, dass sie längst wieder dort war, wo sie nie mehr hinwollte: mitten im Operativen.
Phase 2: Die alte Stimme im neuen Job
„Ich delegiere schon, aber ehrlich – das geht schneller, wenn ich es kurz selbst mache.“
„Ich will mein Team ja nicht überfordern.“
„Ich brauche nur ein bisschen mehr Struktur, dann wird’s leichter.“
Diese Sätze klangen vernünftig – waren aber der Beginn einer stillen Überforderung.
Was früher Stärke war, wurde jetzt zur Falle.
Der innere Satz lautete: „Ich bin nur wertvoll, wenn ich funktioniere.“
Nach aussen souverän, nach innen müde.
Und irgendwann kam der Moment, an dem sie sich fragte:
Warum fühlt sich Erfolg plötzlich so anstrengend an?
Phase 3: Der Kipppunkt – wenn Kontrolle müde macht
Was hier passiert, ist kein persönliches Scheitern.
Es ist das klassische Dilemma der Umsetzer:innen und Macher:innen.
Das, was sie stark gemacht hat – Struktur, Kontrolle, Verlässlichkeit, Geschwindigkeit – kippt in Übersteuerung.
- Kontrolle ersetzt Vertrauen.
- Aktivität ersetzt Führung.
- Sicherheit ersetzt Entwicklung.
Doch Übersteuerung ist kein Kompetenzproblem.
Sie ist ein Muster:
„Wenn ich’s nicht mache, passiert’s nicht.“
„Ich darf keine Fehler machen.“
„Ich muss stark sein.“
Diese Glaubenssätze stammen nicht aus der Rolle – sondern aus alten Prägungen.
Sie sind vertraut, erfolgreich – und genau deshalb so gefährlich.
Reflexionsmoment – jetzt einsteigen
Wenn du dich hier wiederfindest, halte kurz inne.
Genau hier beginnt die Veränderung.
Führung heisst nicht, mehr zu tun – sondern klarer zu entscheiden.
Und manchmal braucht es nur zehn Minuten bewusste Reflexion, um wieder in Führung zu kommen.
Dieses kompakte Reflexions-Tool hilft dir, zu erkennen:
- Wo kippe ich in Übersteuerung – und warum?
- Welche Entscheidung vermeide ich – und weshalb?
- Welche Grenze muss ich setzen, damit ich wieder in Führung komme?
Dann lies weiter.
Denn das, was folgt, ist der Schritt aus dem Tun – in die Führung.
Phase 4: Die Wendung – vom Tun zur Führung
In einem Coaching-Gespräch stellte Pascale Schaerer als ihre Coachin eine einfache Frage:
„Was wäre, wenn du nicht schneller, sondern klarer wärst?“
Nora lachte.
Dieses typische, leicht gespannte Lachen, das man hört, wenn man weiss, dass der Satz stimmt.
Sie begann, zwischen Aktivität und Wirkung zu unterscheiden.
Nicht mehr:
„Was muss ich tun?“
Sondern:
„Was soll durch mich möglich werden?“
Das veränderte alles.
Delegation wurde kein Kontrollverlust mehr – sondern ein Führungsakt.
Grenzen wurden zu Struktur, Klarheit zu Entlastung.
Und mit jedem „Nein“ wuchs ihr Team – und sie selbst.
Phase 5: Die neue Qualität – Passung statt Perfektion
Heute führt Nora anders.
Sie entscheidet klar, kommuniziert ruhig, vertraut bewusst.
Sie hat verstanden: Führung ist kein Beweis von Stärke, sondern ein Ausdruck von Bewusstheit.
Ihr Umfeld beschreibt sie als ruhiger, souveräner, präsenter.
Sie selbst sagt:
„Ich bin nicht mehr überall drin – und genau das macht den Unterschied.“
PureSpark nennt das Passung: die stimmige Verbindung zwischen Person, Rolle und Organisation. Sie entsteht, wenn Führung sich nicht mehr über Machen definiert, sondern über Sinn.
Reflexionsmoment für dich
Erkennst du dich in Nora wieder?
Dann frag dich nicht, was du mehr tun musst.
Sondern:
- Wo kippe ich von Klarheit in Aktionismus?
- Welche Entscheidung vermeide ich – und warum?
- Welche Grenze müsste ich ziehen, um wieder in Führung zu kommen?
Weiterdenken – die Serie
Dieser Beitrag ist Teil der Serie zu den 6 zentralen Führungsrollen.
Heute: Die Umsetzer:in.
Nächste Woche geht es um eine andere Dimension von Führung:
Personal & Entwicklung – die Kunst, Potenzial zu sehen statt Leistung zu messen.
Schlussgedanke
Das beste Pferd im Stall ist nicht das, das am schnellsten läuft – sondern das, das weiss, wann es stehenbleiben muss.
Führung ist kein Dauerlauf.
Sie ist Bewusstheit im Handeln – und Klarheit im Lassen.
Denn Machen war gestern.
Heute zählt: Wirken.
Und wenn du gerne besprechen möchtest, wie dein Weg in die Klarheit & Wirksamkeit aussehen kann – here we go:
Hinweis & Quellen
Die Zusammenstellung, Strukturierung und Formulierungen sind geistiges Eigentum von PureSpark Pascale Schaerer Beratung. Eine Weitergabe, Bearbeitung oder Nutzung ausserhalb des persönlichen Gebrauchs ist ohne schriftliche Genehmigung untersagt.
Quellen: Die Ausführungen basieren auf: Bossidy & Charan (2002), Clark (2020), Edmondson (2019), Mintzberg (1973), Lippmann et al.(2019), Yukl (2012).


